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Ruhrnachrichten Lünen 27.01.2020

Kulisse feiert Premiere - ein Abend mit vielen Turbulenzen

LÜNEN. Es war eine gelungene Premiere: Zur turbulenten Situationskomödie „Zu früh getraut" hatte die Kulisse Studio-Bühne am Samstag (25.1.} ins Hilpert-Theater geladen. Es gab viel zu lachen.

Von Volker Beuckelmann

Mit der turbulenten Situationskomödie ,,Zu früh getraut" von Klaus Mitschke feierte die Kulisse Studio-Bühne Lünen am Samstag (25.1.) im Heinz-Hil­pert-Theater eine gelungene Premiere. Dabei bewies sie im 71. Jahr ihres Bestehens ein­mal mehr, dass engagierte Amateurdarsteller das Publikum prächtig unterhalten können.

Zum Auftakt sang Spielleiter Michael Gresch das alte Kulissen-Lied und überreichte seiner Frau Therese unter dem Beifall der Gäste im gut besetzten Theater Blumen für 35 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Maskenbildnerin der Kulisse. Auch Barbara Hegemann, Geschäftsführerin der Kulisse, die für das Bühnenbild sorgte und als eine der Souffleusen fungierte, bekam einen Blumenstrauß.

Chaos und Panik

Den hatte sie sich verdient:

·  Entwurf und Ausführung der Bühne boten einen stimmigen Einblick in das New Yorker Appartement des jungen Arztes David. Dieser wurde authentisch verkörpert von Kevin Przygodda, der nach seinem feuchtfröhlichen Junggesellenabschied verkatert in der Wohnung herumgeisterte. Er war nicht alleine: Gutgelaunt öffnete die Studentin Florence (Chantal Beck) die Vorhänge. Panik machte sich breit bei David. Als sein Freund Ian, ein Pilot, (gekonnt dargestellt von Nico Schindler) aufkreuzte, stellte er anhand der herumliegenden Urkunde fest, dass David während des Junggesellenabends die Studentin mit Hilfe des Friedensrichters Paul geheiratet hat. „Ich bin erledigt", so David fassungslos.

Mit Hilfe von Ian versuchte er alles, um die Ehe annullieren zu lassen und planmäßig seine Verlobte Vanessa (Imke Gampe) heiraten zu können. Doch nicht nur sie, sondern auch die Familienmitglieder klingelten schon an der Tür und bekamen viele Ausreden und Erklärungen zu hören. „Warum sprechen Sie immer in Rätseln?", fragte sich Davids Vater, perfekt gespielt von Detlef Günther und brachte die jungen Männer in Erklärungsnot.

Immer verzwickter

Die Verwicklungen nahmen zu. Ein tauber Hamster, den es im Wirklichkeit nicht gab und eine Wandernonne, dafür schlüpfte Nico Schindler in ein Nonnengewand, schienen perfekte Ausreden zu sein, trugen aber dazu bei, dass die Lage immer verzwickter wurde. Zum Glück behielt der wortkarge Friedensrichter Paul den Überblick; Michael Gresch glänzte in der Rolle, Genauso wie Marianne Feldmann-Jorißen, die als resolute Mutter der Verlobten überzeugte. Auch Therese Gresch, sie spielte die Mutter der Studentin, erntete viel Beifall. Nicht fehlen durfte Christel Skiba, die als Davids Nachbarin eine lustige Nebenrolle besetzte.

Wer mit wem wie verwandt oder verschwägert war, wussten wohl nur noch die Akteure. Bevor die Komödie im Chaos versank, wendete sich das. Blatt zum Guten. Der amüsante Abend wurde mit viel Beifall belohnt. ,,Bei den vielen Verwechslungen fiel es schwer, alles zu durchschauen. Es war aber. sehr witzig", so Gaby Schlothauer. Ihre Bekannte Petra Finke sagte: ,,Klasse Schauspieler," ·····························

Wer ebenso lachen möchte, hat die Chance dazu am 8. und 9. Februar, 23. Februar und am 15. März.

Weitere Infos unter www.kulisse-luenen.de

 

Wer ist die halbnackte Frau im Appartement des Arztes David (1.), fragte sich dessen.Verlobte es in Wirklichkeit nicht gab Vanessa (M.) und bekam nur Ausreden von ihm zu hören.

Panik machte sich breit bei David (1). Als sein Freund lan (r.), ein Pilot, (gekonnt dargestellt von Nico Schindler) aufkreuzte, stellte er anhand der herumliegenden Urkunde fest, dass Da­vid während des Junggesellenabends die Studentin Florence (M.) mit Hilfe des Friedensrich­ters Paul geheiratet hat.

Gutgelaunt öffnete die Studentin Florence (Chantal Beck) die Vorhänge im Appartement de$ jungen Arztes und freute sich als dessen frisch verheiratete Ehefrau.


Ruhrnachrichten / Lokalteil Lünen / 14.Januar 2019

Familiäre Verwicklungen

LÜNEN. Zwischen Prüderie und Frivolität: Einen Schwank, der den Zeitgeist am Vorabend des Ersten Weltkriegs spiegelt, bringt die „Kulisse" auf die Bühne. Im Heinz-Hilpert-Theater war Samstag Premiere.

Von Rudolph Lauer

Vor genau 70.Jahren hat Heinrich Otto Gresch „Die Kulisse" gegründet und den Ruf dieser Theatergruppe über die Lüner Grenzen hin­aus bekannt gemacht. Sein Sohn Michael hat vor 20 Jahren die Leitung übernommen und die Geschicke des Amateurtheaters weitergeführt.

Gründe genug also, um in diesem Jubiläumsjahr ein besonders zündendes Erfolgsstück zu präsentieren. Ausgesucht hat sich die Lüner Studio-Bühne den dreiaktigen Schwank „Der müde Theodor" des Münchener Autorenduos Max Neal und Max Ferner. Am Samstagabend, 12. Januar 2019, erlebten gut 500 Zuschauer im Heinz-Hilpert-Theater die Premiere.

1913 verfasst, haben Neal und Ferner jenen Zeitgeist beschrieben, der sich am Vorabend. des 1. Weltkriegs im Kleinbürgertum zwischen Lebenslust und Zukunftsangst, aber auch zwischen Prüderie und Frivolität seinen Weg suchte, und den sie in ihren Bühnenfiguren zu charakterisieren vermochten. Michael Gresch hat den Text sprach­lich überarbeitet, gekürzt und im Gebiet zwischen Rhein und Ruhr verortet.

Im stilvollen und hellen Bühnenbild von Barbara Hegemann drängen sich zudem moderne Ansätze auf, die auf die Zeitlosigkeit des Handlungsmotivs hinweisen. Im Rahmen der „Fin de Siècle"­Epoche bleiben dagegen die wunderschönen und aufeinander abgestimmten Kostüme von Therese Gresch mit ihren belebenden Orange- und Violetttönen. Für das entspre­chende Maskenbild haben Therese Gresch, Jaqueline Schlüsener und Lisa Strugholz gesorgt.

Die Handlung platzt nur so vor familiären Verwicklungen, zeigt Vertrauensbrüche auf, verweist auf überforderte Mäzene und legt Heimlichkeiten bloß. Eine versetzte Brillantbrosche sowie die Suche nach einen Frack führen eine verdrehte Handlung munter fort, die im zweiten Akt sogar dem vor Situationskomik berstenden Hotelzimmer-Niveau eines Georges Feydeau recht nahe kommt.

Sehr gut geführte Akteure

Gresch hat in seiner zweieinhalbstündigen Inszenierung die Akteure sehr gut geführt. Unterstützt von Henri Stefan (Inspizient), Georg Bicher (Tontechnik), Imke Gampe, Britta Fehr-Günther (Soufflage) sowie Bogdan Romaniszyn und seinem Team (Bühnenaufbau von drei Dekorationsbildern) können die Akteure unbeschwert aufspielen. Und alle gehen in ihrer Rolle sprachlich und darstellerisch auf.

Allen voran der unverwüstliche Detlef Günther in der Titelrolle, die von ihm sämtliche Emotionen einfordert und die er glänzend pariert. Dazu agiert wohltuend distanziert Barbara Hegemann als hintergangene Ehefrau mit Hang zum Caritativen, während Jaqueline Schlüsener als verliebte Tochter Lebensfreude versprüht. Britta Fehr-Günther verleiht dem Hausmädchen Frieda eine frische Resolutheit.

Michael Greschs Fabrikant Kaiser wird vom Titelhelden auf harte Proben gestellt. Imke Gampe überzeugt als Baronin mit distinguierter Aussprache. Theodors Neffe Felix spielt Patrick Runte als ewigen Studenten mit Schmiss, und Christel Skiba agiert als eine auf Kontrolle fixierte Schul-Ministerialrätin. Vom Hotelpersonal überzeugen Walter Dittmann als vergesslicher Direktor und Ulrike Schütz als pflichtbewusstes Zimmermädchen. Mit Nico Schindler hat sich ein Neuling gekonnt an die wirkungsvolle Rolle des Piccolos gewagt.

Stark besetzt sind drei Figuren, die völlig ahnungslos in den Strudel der Verwechslungen geraten. Da ist Marianne Feldmann-Jorißen als Sängerin Helma, die als Theodors Protegé weiß, wie man Förderer um den Finger wickelt. Marvin Rugullis trägt mit Fassung die Leiden des Lehrers Findeisen und nicht zuletzt Fabian Evers spielt mit exaltierter Verve des Komponisten Traum vom großen Ruhm.

Viel Gelächter, häufiger Szenenbeifall und ein berechtigt langer Schlussapplaus des gutgelaunten Publikums beweisen, dass die Kulisse mit ihrer Spielfreude alles richtig gemacht hat.

https://www.kulisse-luenen.de/Kartenverkauf/